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GEDANKEN ZUM UNTERNEHMERTUM beitermentalität, die anders ist als früher. Das gesunde Wachstum der Firma, für die sie arbeiten, ist ihrer eigenen ,Quality time’ untergeordnet. SARA LAMBRECHTS: Es stärkt das Unternehmensklima, wenn die lokale Politik und die Unternehmer gut zusammenarbeiten. Das erleben wir in bestimmten Handelszentren. Das führt beispielsweise dazu, dass eine Einkaufsstraße mit viel Leerstand doch schnell wieder zum Leben erweckt wird. Man benötigt Freiraum und einen guten Ansprechpunkt, beispielsweise über einen Unternehmensschalter der Gemeinde oder Stadt. Gleichzeitig muss man auch beim Erteilen von Genehmigungen f lexibel sein. Unsere lokalen UnizoAbteilungen wollen ein Ansprechpunkt für die Politik sein, und auch ein Rat für das lokale Gewerbe kann dabei eine wichtige Rolle spielen.” Katleen Lancriet „Wir bauen unsere Attraktivität in erster Linie mithilfe von Events aus.” Katleen Lanckriet leitet einen Betrieb, der Sommerfrüchte anbaut und zu Konfitüre und Saſt verarbeitet, während ihr Mann Landwirt und Leiter einer Pferdepension ist. Sie ist auch sehr aktiv in Unternehmerorganisationen tätig - u. a. als Vorsitzende von Unizo Knokke-Heist - und sie ist Mutter von drei Kindern. DIE GENEHMIGUNGSPOLITIK BLEIBT NOCH EINE HÜRDE FÜR DIE UNTERNEHMEN. WIRD SICH DAS BESSERN? FONS KEMPS: Derzeit wird an der vollständigen Digitalisierung und Vereinheitlichung der verschiedenen Genehmigungen gearbeitet. In ein paar Jahren muss dies zu einem kompletten System führen, das in jeder Gemeinde eingeführt wird. Das dauert, denn die Gemeinden haben in letzter Zeit viel mehr Aufgaben und Befugnisse erhalten. HANS MAERTENS: Die Verbesserungen in Bezug auf den schnellen Erhalt von Genehmigungen müssen aber auf allen Ebenen durchgeführt werden. Momentan dauert es beispielsweise noch fünf bis zehn Jahre, um Grundstücke für Betriebe nutzbar zu machen. Die Schalter für lokale Firmen sind prima, man muss sich als Unternehmen aber immer noch an mehrere Instanzen wenden, wenn man spezifische Unterstützung benötigt. Es werden keine Schalter geschlossen, und mit den hinzukommenden koordinierenden Schaltern nimmt die Aufspaltung noch zu. WESTFLÄMISCHE FIRMEN UND SELBSTSTÄNDIGE VOR ALLEM AUSSPIELEN? WELCHE TRÜMPFE KÖNNEN FONS KEMPS: Wir dürfen uns glücklich schätzen, dass hier noch viel Herstellungsindustrie aktiv ist, in Unternehmen, die auch wirklich Produkte produzieren. In den Vereinigten Staaten hat man die Herstellungsindustrie weitgehend zugrunde gehen lassen. Diesen Fehler dürfen wir nicht begehen. Noch können wir das verhindern. HANS MAERTENS: Und genau dafür sind mehr Betriebsgelände und geeignete Mitarbeiter erforderlich. Die Provinz und die regionale Entwicklungsgesellschaſt Westflanderns haben eine Strategie erar- 28 | KHMagazin Nr. 7 beitet, damit Unternehmen besser zusammenarbeiten und ihre Kräſte bündeln. Ziel ist ein Ballungsraum für Kreativität, Design und neue Materialien im Süden der Provinz, ein Ballungsraum für Agrarund Ernährungsaktivitäten in der Mitte und einen für grüne Entwicklung und saubere Technologien im Norden. Dabei steht immer das gemeinsame Innovieren im Mittelpunkt. Ganz alleine innovieren geht nicht mehr und ist einfach zu teuer und riskant. Unternehmen müssen sich auch gemeinsam auf den internationalen Markt ausrichten. JANUAR-MÄRZ

SARA LAMBRECHTS: Gleichzeitig müssen wir Jugendliche und vor allem ihre Eltern dazu anregen, das Augenmerk bei der Studienwahl mehr auf technische Ausbildungen zu richten. Auf diesem Gebiet organisieren wir jedes Jahr bereits eine ganze Reihe von Aktionen. Was auch hilſt, ist z. B. ein Speed-Dating-Event zwischen KMUs und den Hafenbetrieben in Zeebrügge, um einander kennenzulernen. UNTERNEHMEN? AUF DER EINEN SEITE LIEGT DORT EIN GROSSER SEEHAFEN, AUF DER ANDEREN EIN NATURGEBIET. WIRD ES NICHT ETWAS VIEL AUF EINEM KLEINEN STÜCK LAND? FONS KEMPS: Das muss kein Problem sein, wenn man neben den vorhandenen geschäſtlichen Diensten auch die Dienstleister anspricht. Auf diese Weise ist vieles möglich, sogar in einem Wohnbezirk, wo sich z. B. eine Anwaltskanzlei perfekt einfügen kann. KATLEEN LANCKRIET: Als Küstengemeinde mit eigenem Profil bauen wir unsere Attraktivität in erster Linie mithilfe von Events aus, die auch außerhalb der Urlaubszeiten eine Menge Besucher anlocken können. Trotzdem fühlt sich der Handel durch die Nähe und den Ausbau des Hafens von Zeebrügge eingeengt. Das erzeugt für kleine Unternehmen aber auch eine starke Dynamik. Die Geschäſtswelt stellt sich auch Fragen zum Bau des neuen Projekts Duinenwater mit seinen neuen Handelsgeschäſten. Aber auch in dieser Hinsicht gibt es sowohl Pros als auch Kontras. Andere Probleme sind die Versandung der Küste und die Behinderungen durch den Bau der AX-Schnellstraße zur verkehrsmäßigen Erschließung von Zeebrügge und der Ostküste. SARA LAMBRECHTS: Versandung muss kein Problem sein, weil an den Stränden dadurch mehr Platz entsteht, was wiederum mehr Aktivitäten ermöglicht. FONS KEMPS: Indem man die Versandung nutzt und die Pläne für Inseln auf den Sandbänken realisiert, kann man etwas Einzigartiges schaffen. HANS MAERTENS: Nach ein paar Jahren von Straßenarbeiten wird Knokke-Heist jahrzehntelang von der Erschließung profitieren können, die die neue AX mit sich bringt. Knokke-Heist muss ein stolzer Badeort bleiben, der seine Eigenheit bewahrt. Dort gibt es den höchsten Prozentsatz von Geschäſten pro Einwohner im ganzen Land. Auf dem Gebiet besteht nicht viel Grund zur Klage. Aber im Bereich des Organisierens von Events darf es gerne ein bisschen mehr sein. Hier könnten auch Kongresse stattfinden, z. B. im Kasino und im renovierten La Réserve. Mit mehr Seniorenresidenzen könnte sich die Gemeinde auch auf den demografischen Wandel einstellen. Der Hafen von Zeebrügge, einer der saubersten in Europa, könnte als Magnet für spezialisierte Beratungsunternehmen und andere Dienstleister dienen und selbst als Attraktion für interessante Führungen. Schließlich ist dies auch ein wunderbares Biotop, um buchstäblich einen Kern zu errichten, der ökologisch verantwortetem und nachhaltigem Bauen geweiht ist. Kurz gesagt: Knokke-Heist kann seine Exklusivität noch besser ausspielen. Plus est en vous. KATLEEN LANCKRIET: Es gibt tatsächlich noch einige Möglichkeiten. Unsere Raumordnung ist nämlich auch noch gar nicht so schlimm. Hier kann man sogar an einem belebten Sonntag noch an Plätze radeln, wo man niemandem begegnet. Aber Bereiche wie z. B. Landschaſtsentwicklung dürfen nicht auf Kosten anderer Aktivitäten gehen. Ein vernünſtiges Gleichgewicht muss gewahrt bleiben. Kemps Fons „Hier gibt es zum Glück noch viele Unternehmen, die auch wirklich Produkte herstellen.” Fons Kemps ist Direktor des westflämischen Zweigs von Agentschap Ondernemen (AO), einer Einrichtung, die bei der Ausführung der Wirtschaſtspolitik der flämischen Behörden eine unterstützende Funktion erfüllt und den Unternehmern in der Praxis dabei behilflich ist, Unterstützung und Begleitung sowie ihren Weg zu den erforderlichen Genehmigungen zu finden. Die AO will als Kompetenzzentrum flämische Unternehmen wettbewerbsfähiger machen und das Unternehmernetzwerk stärken. IST KNOKKE-HEIST DER RICHTIGE ORT FÜR JANUAR-MÄRZ Nr. 7 KHMagazin | 29


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